Siemens Healthineers AG: Kontroverse um kaninchenbasierte Antikörper und ihre Auswirkungen auf ESG‑Bewertungen
Am vergangenen Freitag fand die Hauptversammlung der Siemens Healthineers AG statt – ein Ereignis, das durch die aufkommende Debatte um die Verwendung von kaninchenbasierten Antikörpern in diagnostischen Tests des Unternehmens in den Mittelpunkt geriet. Die Anwesenden, darunter Vorstandsmitglieder, Analysten und Vertreter verschiedener Interessengruppen, sahen sich mit einer bislang unbeantworteten Frage konfrontiert: Wie weit reicht die Verantwortung von Siemens Healthineers für die Herkunft und Ethik seiner Forschungs- und Entwicklungsmaterialien?
Der Aufschrei der Tierschutzorganisationen
Mehrere Tierschutzorganisationen, darunter das deutsche Tierschutzbund und die internationale NGO „Animals in Science", haben in der Zwischenzeit öffentlich Zweifel an der ethischen Praxis von Siemens Healthineers geäußert. Ihre Besorgnis konzentriert sich auf die Nutzung von kaninchenbasierten Antikörpern, die angeblich in einer Reihe von diagnostischen Tests eingesetzt werden, darunter Bildgebungs- und Labordiagnostik. Die NGOs fordern eine klare Exit‑Strategie und eine detaillierte Zeitplanung, um von solchen Methoden abzurücken.
„Wir fordern Transparenz und Verantwortung." – Vertreter einer der NGOs
Der Vorstand von Siemens Healthineers hat bislang jedoch erklärt, dass er sich gegen die Einführung eines konkreten Zeitplans ausgesprochen habe. Stattdessen betonte er die Notwendigkeit, die Forschungslandschaft zu prüfen und gleichzeitig die Qualitätsstandards seiner Produkte zu gewährleisten.
ESG im Fokus des Gesundheitswesens
Die Kontroverse hat weitreichende Implikationen für die Umwelt‑, Sozial‑ und Governance‑ (ESG) Kriterien, die in der Gesundheitsbranche zunehmend an Bedeutung gewinnen. Investoren, Regulatoren und die Öffentlichkeit achten verstärkt darauf, wie Unternehmen ihre Forschung ethisch und nachhaltig gestalten. In diesem Kontext stellt die Nutzung von Tieren in der Forschung nicht nur ein moralisches Thema dar, sondern kann auch die Bewertung der Unternehmensführung und die Risikopositionierung beeinflussen.
Umwelt: Der Einsatz von tierischen Ressourcen kann zu einer erhöhten ökologischen Belastung führen, wenn die Tierhaltung nicht nachhaltig gestaltet ist.
Soziales: Die gesellschaftliche Erwartung an Tierschutz und humane Praktiken wächst, und Unternehmen, die hier nicht transparent agieren, riskieren Reputationsschäden.
Governance: Die Fähigkeit, klare Strategien und Zeitpläne zur Verbesserung der ESG‑Performance zu kommunizieren, gilt als Kennzeichen guter Unternehmensführung.
Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Investoren
Trotz der starken Marktposition der Siemens Healthineers AG könnte die Kontroverse die Wahrnehmung von Investoren nachhaltig beeinflussen. ESG‑Bewertungsagenturen könnten ihre Ratings überprüfen und gegebenenfalls anpassen, was Auswirkungen auf die Kapitalkosten des Unternehmens haben kann. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Analysten und Fondsmanager verstärkt nachfragen, um mehr Informationen über die Forschungs- und Entwicklungspraktiken zu erhalten.
Mögliche Wege aus der Krise
- Transparente Kommunikation: Der Vorstand könnte eine Kommunikationskampagne starten, um die vorhandenen Praktiken zu erklären und die geplanten Schritte zur Verbesserung darzulegen.
- Externe Audits: Unabhängige Gutachten über die Tierethik in den Forschungsprozessen könnten Vertrauen schaffen.
- Investition in Alternativen: Die Entwicklung von monoklonalen Antikörpern aus gentechnisch veränderten Zellen oder die Nutzung von in-vitro‑Methoden könnten langfristig die Abhängigkeit von Tieren reduzieren.
- Stakeholder‑Dialog: Ein Dialog mit NGOs, Kunden und Investoren könnte den Weg für einen gemeinsamen Ansatz ebnen.
Fazit
Die jüngste Hauptversammlung hat gezeigt, dass ethische Fragen, die zuvor vielleicht als Nischenproblem galten, nun im Fokus der Unternehmensführung und der Investoren stehen. Für Siemens Healthineers AG bedeutet dies, dass die Balance zwischen wissenschaftlicher Innovation, ethischer Verantwortung und ESG‑Kompatibilität nicht mehr als bloßes Konzept, sondern als konkreter, messbarer Geschäftsbereich gilt. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie das Unternehmen auf die Forderungen reagiert und ob es gelingt, Vertrauen in seine Forschungs und Entwicklungspraktiken wiederherzustellen.




