Uniper SE kündigt wegweisendes Pilotprojekt an: Wärmepumpe im Evonik‑Chemiewerk Ruhr

Uniper SE hat kürzlich ein ambitioniertes Pilotprojekt vorgestellt, das die Nutzung von Wärmepumpen in industriellen Prozesswärmenetzen neu definiert. Im Rahmen des Projekts wird eine Wärmepumpe von dem spanischen Hersteller Rank in einem Evonik‑Chemiewerk in der Region Ruhr installiert. Das Ziel ist es, warmes Prozesswasser aufzubereiten und die Temperatur auf etwa 130 °C zu erhöhen, sodass die Energie in einem von Iqony betriebenen Fernwärmenetz weiterverwendet werden kann.

Technische Grundlagen und Funktionsweise

Die Evonik‑Chemiefabrik erzeugt im laufenden Betrieb große Mengen an Prozesswärme, die jedoch nicht vollständig für die eigene Produktion genutzt werden kann. Das System von Rank nutzt eine hochmoderne Wärmepumpe, die die vorhandene Wärmeenergie extrahiert und gleichzeitig die Temperatur des Wassers erhöht. Durch diesen Temperaturanstieg wird die Wärme für die Weiterleitung in ein Fernwärmenetz geeignet, das in der Region bereits eine weitreichende Infrastruktur aufweist.

Ein entscheidender Aspekt des Projekts ist der Temperaturanstieg von mehr als 100 °C. Uniper hat betont, dass es sich hierbei um die erste deutsche Installation handelt, die diesen Schwellenwert erreicht – ein Meilenstein, der die Integration in bestehende Fernwärmenetzinfrastrukturen erleichtert und die Energieeffizienz signifikant steigert.

Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsaspekte

Nach den vorläufigen Berechnungen kann die Wärmepumpe die jährlichen CO₂‑Emissionen des Evonik‑Werks um bis zu 1 750 Tonnen senken. Diese Einsparungen resultieren aus der Reduktion des Kühlbedarfs, da das erhitzte Wasser weniger Kühlkapazität benötigt. Darüber hinaus reduziert sich der Energieverbrauch des Werks, da weniger fossile Brennstoffe zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden müssen.

Für Uniper bedeutet das nicht nur eine positive Umweltauswirkung, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Der Einsatz von Wärmepumpen kann die Betriebskosten senken, die Abhängigkeit von externen Energieversorgern verringern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Energiemarkt stärken.

Projektlaufzeit und Ausblick

Das Pilotprojekt ist für einen Zeitraum von 30 Monaten geplant. Während dieser Phase werden die Leistung, die Wirtschaftlichkeit und die Umweltauswirkungen der Wärmepumpe systematisch überwacht und analysiert. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, sieht Uniper die Möglichkeit vor, die Technologie in weiteren Anlagen zu skalieren – nicht nur bei Evonik, sondern auch bei anderen Industrieunternehmen in der Region und darüber hinaus.

Holger Kreetz, Geschäftsführer von Uniper, betonte in seiner Ankündigung, dass die Initiative Teil einer umfassenderen Strategie sei, die auf erneuerbare Wärmequellen und effiziente Energiesysteme abzielt. „Wir sehen die Wärmepumpe als Schlüsseltechnologie, um Industrieprozesse nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig die lokale Energieversorgung zu stärken", so Kreetz.

Fazit

Das Uniper‑Projekt demonstriert, wie industrielle Wärmeabfälle in wertvolle Energie umgewandelt werden können. Mit der ersten deutschen Installation, die einen Temperaturanstieg von über 100 °C erreicht, setzt es einen neuen Standard für die Integration von Wärmepumpen in bestehende Fernwärmenetze. Wenn das Pilotprojekt die erwarteten Resultate liefert, könnte es einen bedeutenden Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie und zur Förderung regionaler Energienetze leisten.